Tanzende Scheiben

In Ingeln tanzen zum Schützenfest die Königsscheiben.

Karl-Heinz Meier
Karl-Heinz Meier

Wenn in Ingeln die Königsscheiben ausgetragen werden, wird altes Brauchtum zu neuem Leben erweckt: das „Tanzen“ der Siegertrophäen. Ein Brauch, der in dieser Form in der ganzen Region nicht bekannt ist.

Seit wann das Scheibentanzen gepflegt wird, lässt sich nicht aufs Jahr genau nachvollziehen, es ist aber mindestens aus den 1950er Jahren überliefert.

Beim Aufhängen wird die Königsscheibe an einem langen Seil befestigt. Dieses führt durch eine Seilrolle, die hoch oben an der Hauswand oder am Dachüberstand befestigt ist. Am Seilende wird die Scheibe dann hochgezogen.

 

Ralf Radkewitz
Ralf Radkewitz

Diese Arbeit ließe sich in wenigen Sekunden erledigen. Das ist aber nicht Zweck der Übung. Die Scheibe muss beim Hochziehen tanzen. Das tut sie im Walzer- wie im Marschtakt, je nachdem, was die Kapelle spielt.

Vor den angetretenen Schützen und Majestäten wird der Scheibe der richtige Schwung verliehen. Sie pendelt nach links, dreht sich zu einem Trommelwirbel um die eigene Achse, ruckt eine Stückchen nach oben, wenn die Flöten der Musik einsetzen oder senkt sich mit Rechtsdrall wieder etwas herunter, wenn aus der Tuba ein tiefer Ton kommt.

 

Manfred Gora
Manfred Gora

Der Spezialist für das Tanzen der Scheiben in Ingeln war dafür viele Jahrzehnte lang unser Schützenbruder Karl-Heinz Meier. Er übernahm die Aufgabe bis zu seinem Tod im Jahr 2010.

Anschließend fiel die Zuständigkeit in die Hände von unserem Schützenbruder Ralf Radkewitz, bis auch dieser leider im Jahre 2016 verstarb.

Seit dem ist Manfred Gora für diese Aufgabe zuständig und kommt dieser bis zum heutigen Tag nach.

 

Strafgericht

Ein weitere Brauch, das Strafgericht (Verdonnern) nach dem Aufhängen der letzten Königsscheibe, findet auch heute noch großen Anklang bei allen Beteiligten (besonders bei denen, die es dieses Mal nicht erwischt hat).

Schriftlich erwähnt wird es zum ersten Mal 1964, soll aber seinen Ursprung schon viele Jahre früher haben.

Hierbei achtet der Vorsitzende, der auch die Strafen verhängt, in Zusammenarbeit mit seinem Hauptmann darauf, dass im Schützenzug ein gewisses Ritual eingehalten wird.

Zuwiderhandlungen werden meist mit einer Runde Lütje Lagen für den gesamten Zug bestraft. Grobe Zuwiderhandlungen gab es zwar noch nicht, aber auch die kleineren haben bisher immer gereicht, um die ersten Runden Lütje Lagen schon vor dem Einmarsch ins Festzelt sicher „in der Tasche zu haben“.

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