In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Deutsche Schützenbund aufgelöst und am 22. April 1938 aus dem Vereinsregister gestrichen. Die Nationalsozialisten standen dem Schützenwesen skeptisch gegenüber: Ihre Traditionen und Rituale waren ihnen zu kompliziert, teilweise unverständlich und deshalb verdächtig. Der germanische Ursprung des volkstümlichen Vogelschießens konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden, das traditionelle Schießen, wie es mit seinen vielen uneinheitlichen Regeln in der Mehrzahl der Vereine ausgeübt wurde, war vollkommen unpraktisch und taugte nicht zur paramilitärischen Ausbildung der Jugend. Die Schützen selbst waren starrsinnig, wenn es um Fahnen, Uniformen und Symbole ging, auf die die Nazis selbst so viel Wert legten. Sie waren auch auf den Schießständen im Weg, die zwar den Vereinen gehörten, aber für die Übungen der SA und später der Hitlerjugend gebraucht wurden.

Zwar liegen uns keine Aufzeichnungen oder Informationen darüber vor, dass der Schützenverein Ingeln seinerzeit ebenfalls formal aufgelöst worden wäre, man kann aber davon ausgehen, dass das Vereinsleben in dieser Zeit zum Erliegen gekommen ist.

Die letzten Zeugnisse für eine Vereinstätigkeit in diesen Jahren sind eine restaurierte Schützenscheibe von 1937 und eine Medaille von 1939 aus dem Besitz des damaligen Jungschützenkönigs Alfred Thiemann.

Protokolle oder andere Aufzeichnungen ab 1936 waren trotz intensiver Nachforschungen nicht mehr aufzufinden.
Nach der Kapitulation der Wehrmacht verboten die Alliierten die Schützenvereine als uniformierte Waffenträger zunächst ganz. Erst mit der Gründung der Bundesrepublik wurden sie wieder zugelassen.
Im Jahre 1952 erfolgte die Neugründung in Ingeln.

Quelle: Deutscher Schützenbund

 

Neugründungsversammlung am 11.06.1952

Die Neugründungsversammlung wurde am 11. Juli 1952 um 20.30 Uhr durch den Festausschuss des Festes von 1952 einberufen.
Nach Eröffnung wurde Herr Heinrich Ebeling zum 1. Vorsitzenden gewählt. Herr Otto Wehner wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt. Ferner wurden in den Vorstand gewählt:

- Herr Hans Thiemann - als Schriftführer
- Herr Heinrich Gaste - als Kassierer
- Herr Heinricht Hattenkerl - als stellvertr. Kassierer
- Herr Karl Tietze - als stellvertr. Schriftführer

Der Verein erhält nach Vorschlag des Vorstandes und nach einstimmiger Annahme sämtlicher alten Schützenvereinsmitglieder den Namen:

Schützenverein "Horrido" Ingeln

Es wurden folgende Beschlüsse gefasst:

1. Sämtliches Eigentum des alten Vereins geht in den Besitz des Neuen über.
2. Es soll 1,-- DM Eintritt und 0,50 DM Monatsbeitrag erhoben werden.
3. Der Vorstand soll Gewehre beschaffen.
4. Der Schießstand soll wieder aufgebaut werden.
5. Der Verein soll wieder - wie aus alter Tradition bekannt ist - jährlich
   ein Schützen- fest abhalten, welches nach Möglichkeitam 1. oder 2. Sonntag
   im Juni stattfinden soll.
6. Die Generalversammlung soll jährlich nach dem Schützenfest stattfinden.

Der Gartenbauverein, als Träger des letzten Festes, welches wieder an die alte Tradition anknüpfen sollte und den alten Schützengeist wieder aufleben ließ, stellte dem Schützenverein 200,-- DM zur Verfügung.

Mit einem kräftigen dreifachen "Horrido" wurde die Versammlung des Vereins um 22.30 Uhr geschlossen.

1953 wurde der Verein dann wieder dem Verband angeschlossen und die Mitglieder versichert. Der Schießstand wurde wieder hergerichtet, Gewehre wurden gekauft und die Schützenkette – die schon damals einen hohen Wert hatte – wurde wieder auf “Vordermann” gebracht.

Zum Schützenfest, dass am 14. Juni 1953 in der Ebelingschen Scheune gefeiert wurde, wurden auch wieder die 3 Scheiben für den Jungschützenkönig, den Schützenkönig und den Altschützenkönig ausgeschossen.

Unter den fröhlichen Klängen der Marschmusik – und mit einem festlich geschmückten Festwagen – zog der Schützenzug durchs Dorf und nahm nach einem festlichen Freudentrunk beim Major Hilse unter der alten Dorfeiche im offenen Viereck Aufstellung zur Fahnenehrung. Der 1. Vorsitzende Heinrich Ebeling hielt die Festansprache, in der die Jahre der 90 Jahre alten “Vivat” Fahne ins geistige Auge zurückgerufen wurde.

Trotz intensiver Bemühungen ist es uns leider nicht gelungen, mehr über die “Vivat-Ingeln” Fahne von 1863 in Erfahrung zu bringen. Dass es vor 1920 schon Schützenwesen in Ingeln gab, beweisen die Eintragungen, als 1953 die Königsscheibe von Karl Gaste neben der Scheibe aus dem vorigen Jahrhundert aufgehängt wurde.

Zur Ehrung der Fahne überreichten die Frauen der Schützenbrüder, vertreten durch eine Abordnung, einen Jubiläumswimpel.

In der Hoffnung, dass Fahne und Jubiläumswimpel dem Verein noch viele Jahre vorausgetragen werden und alle Schützenbrüder des Vereins “Horrido” zu neuem Ansporn und Zusammenhalt ermahnt werden, wurde dieser festliche Akt beendet und der Marsch durchs Dorf fortgesetzt.

 

Zusammenfassung der Jahre 1954-65

  • 1954 löste Hermann Plinke den Vorsitzenden Heinrich Ebeling ab.
  • 1955 stifteten die Brüder Heinrich und Günther Bertram die Jungschützenkette mit der Auflage, diese durch die nachfolgenden Jungschützenkönige zu vervollständigen.
  • 1956 wurde ein gemeinsames Fest mit dem Gesangsverein gefeiert, der 60-jähriges Bestehen hatte.
  • 1957 wurde erstmals wieder an alter Stätte – im Zelt – das Schützenfest gefeiert.
  • 1958 löste Karl Heise den Vorsitzenden Hermann Plinke ab, der Ehrenvorsitzender wurde.
  • 1959 wurde beschlossen, dass zur Generalversammlung in Uniform zu erscheinen ist. Bei Nichteinhalten dieses Beschlusses muss 1,– DM Strafe gezahlt werden.
  • 1960 Als Fahnenträger der neuen Fahne wurden Friedel Howind, Heinrich Bertram und Walter Thiemann gewählt.
  • 1961 wird das Schießen auf die Jungsschützenscheibe eingestellt (Jüngschützen fehlen).
  • 1962 wird die Altschützenkette angeschafft.
  • 1963 löste Hans Thiemann den Vorsitzenden Karl Heise ab und die Bürgerscheibe wurde angeschafft.
  • 1964 wird zum ersten Mal das “Verdonnern” erwähnt. Es erwischte SB Heinrich Radkewitz – wegen Nichterscheinen in Uniform (zwei Runden Bier für alle).
  • 1965 Die bestehende Satzung wird ergänzt und den neuen Erfordernissen angepasst.

Hiermit möchten wir den Abriss aus der Wiedergründungszeit abschließen, können aber nicht unerwähnt lassen, dass sich in dieser Zeit viele Mitglieder um unseren Verein besonders verdient gemacht haben.

Ihnen Allen von uns ganz herzlichen Dank für ihr Engagement!

 

Gründung der Damenabteilung von 1968

1968 wurde die Damenabteilung gegründet. Die Damenabteilung ist heute eine feste Größe und aus diesem Verein nicht mehr wegzudenken.

Besonders erfreulich ist, dass von vielen Gründungsmitgliedern dem Verein bis heute die Treue gehalten wird.

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